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Eine Nacht die niemals endet

Es war mal wieder so weit. Friedlich lag ich in meinem Bett, darauf gefasst gleich dem heißersehnten Traumland entgegen zu schweben. Dann geschah es. Ich konnte das Tor zur anderen Welt schon berühren, als ich fortgerissen  wurde. Äußerst unsanft wie ich bemerken musste.

„Krrrrrr…..Krrrrrr….Krrrrrr.“

Wütend riss ich die Augen auf als mir dieses gedämpfte aber dennoch  nervenaufreibende Geräusch in die zugestopften Ohren drang.

Seit Jahren machte ich diese nächtlichen Folterungen schon mit. Freiwillig. Nun mehr oder weniger jedenfalls. Seit Jahren schlief ich nachts mit Ohropax.

„Liebe überwindet alle Hindernisse.“

Vom  nervenden Geräusch übertönt zwang ich mich mit diesem Spruch dazu, nicht völlig auszurasten.

„Krrrrrr….Krrrrrr…..Krrrrrr.“

Es half nichts. Mein Ärger darüber, dass er mich nicht schlafen lies, brodelte in mir. Ich drehte mich wutentbrannt um und rüttelte an seiner Schulter.

„Kannst du dich mal bitte umdrehen. Du schnarchst.“ sagte ich.

Er reagierte nicht. Ich rüttelte fester.

„Hallo, ey du schnarchst voll. Dreh dich um.“

Er gehorchte. Zufrieden drehte ich mich wieder um, so dass wir beinah Rücken an Rücken dort lagen. Ein wenig Platz blieb mir noch, also rutschte ich noch etwas nach hinten. Ich schloss die Augen.

„Krrrrrr……Krrrrrr…..Krrrrrr.“

Ganz leise, kaum hörbar drang es wieder zu mir durch. Ich atmete lauter so dass ich es durch die verstopften Ohren nicht hören musste.

Dann sah ich es. Es wahr gedämpftes Licht das mich begleitete und ich freute mich auf dass was als nächstes geschehen würde.

„Krrrrrr….Krrrrrr…Krrrrrr.“

Mit einem schellendem Dröhnen im Kopf riss ich die Augen auf.

Von der Straße schien leicht das Licht zum Fenster herein. Ich konnte sehen dass er sich wieder gedreht hatte. Röhrend lag er auf dem Rücken. Er schlief eindeutig.

„Krrrrrr…Krrrrrr…Krrrrrr.“

Sowas verlies seinen Mund nur wenn er schlief. Dann erspähte ich den Grund für meine Kopfschmerzen. Er machte es schon wieder. Seit einiger Zeit waren die Grenzen zwischen seinem schlafendem Gehirnteil und dem Bewegungsteil des Gehirns sehr eng verbunden. Seine Hand ruhte auf seiner Stirn. Er rieb sie sich. Schlafend. Der Ellbogen war in die Höhe gerichtet.

„Krrrrrr….Krrrrrr…Krrrrrr.“

Der schlingernde Ellbogen wackelte bedrohlich auf mich zu. Schnell holte ich meine Hand unter der Decke hervor um ihn abzufangen, bevor er mitten in meinem Gesicht landete.

„Schatz.“ Rüttelte ich an seiner Schulter.

„Schatz, du bist voll das Schnarchmonster. Dreh dich um. Ich will schlafen.“

Ich rüttelte noch mal, dann drehte er sich um.

In den nächsten drei Stunden änderte sich an dieser Situation nichts. Immer wieder als ich gerade das Traumland betreten wollte, riss er mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Meine Reaktion darauf wurde mit jedem Mal aggressiver, bis ich beschloss aufzustehen. Ich ging ins Bad und verrichtete mein Geschäft. Dann lief ich zum Kühlschrank um etwas zu trinken und legte mich wieder ins Bett. Er hatte sich schon wieder gedreht.

„Krrrrrr…Krrrrrr…Krrrrrr.“

Nun lag er so breit im Bett, das von den 140 cm der Matratze geschätzte 40 cm für mich übrig blieben. Vorsichtig krabbelte ich wieder ins Bett hinein, die Augen auf den gefährlichen Ellbogen gerichtet.

So verbrachte ich den Rest der Nacht. Mittlerweile war es jedoch schon 5 Uhr in der früh. Ich freute mich, dass er in zwei Stunden aufstehen würde um zur Arbeit zu fahren. Da ich nicht weis was in der Zeit von 5 bis 7 Uhr geschehen ist, muss ich vor Erschöpfung wohl eingeschlafen sein.

Dann klingelte der Wecker. Ich ignorierte ihn. Schließlich hatte ich heute frei und würde unter großer Garantie den fehlenden Schlaf nachholen.

Er klingelte nochmal. War die Smooth Funktion nun ein Fluch oder ein Segen?

Mir war es egal. Ich würde mich nicht rühren, bis er aufgestanden war, damit ich den Platz im Bett voll auskosten konnte.

Dann klingelte es erneut. Aber es war nicht der Wecker. Es Klingelte ein zweites Mal.

„Scheiß Wecker.“ Hörte ich ihn fluchen und grinste in mich hinein.

Er sprang aus dem Bett drückte den Türöffner und lies die Haustür einen Spalt offen. Dann flüchtete er ins Bad.

Ich befreite meine Ohren. Schlafen würde ich eh erst wieder wenn er weg war. Im Hausflur hörte ich wie jemand die Treppen hinauf kam, durch die Wohnungstür schritt und sich im Wohnzimmer auf das Sofa fallen lies.

Die Mitfahrgelegenheit.

Ich hörte die Spülung und kurz darauf wurde es taghell im Schlafzimmer.

„Sowas gemeines.“ Dachte ich. Er hatte das Licht eingeschaltet. Er suchte irgendwas.

Dann rüttelte er an mir.

„Wo sind meine Hosen?“

Ich gähnte und tat so als hätte er mich wirklich geweckt. Doch ich bekam nicht das ersehnte Mitleid.

„Im Schrank.“ Antwortete ich.

„Ja, aber wo?“

„Da wo sie immer liegen.“ Antwortete ich genervt.

„Und wo ist das?“

„Ganz rechts, drittes Fach. Mach doch die Augen auf.“ Brummte ich.

Er schnappte sich alles und verschwand. Er hatte sogar die Güte, dass Licht wieder auszuknipsen.

Zu spät. Ich war so wach, das ich nun auch aufstehen konnte um ebenfalls das Bad aufzusuchen und ihm zu zeigen wie müde ich war.

„Ich habe ja so schlecht geschlafen.“ Sagte er wehleidig.

„Ach was denkste den, wie es mir geht? Ich habe nur zwei Stunden geschlafen, wegen dir.“ Brummte ich vorwurfsvoll als ich in das Badezimmer schritt.

Dann hörte ich ihn rufen.

„Bis nachher.“

„Ich bin auf der Toilette, du denkst doch nicht dass ich jetzt antworte.“ Dachte ich.

„Hast du gehört? Ich bin jetzt weg.“

„Na toll.“ Dacht ich und antwortet mit einem kurzen Ja und einem Tschüss vom Bad aus.

„Weg.“ dachte ich als ich wieder auf dem Weg ins Schlafzimmer war.

Ich warf mich in das freie Bett und freute mich über 140 cm Freiheit und einer Reise ins Traumland.

Doch kaum das ich es betreten hatte wurde ich von einem metallenen Brummen geweckt, dass sich durch einen Knall ergänzte. Ich öffnete die Augen und fluchte über das offene Fenster und darüber das ich auf die Ohropax verzichtet hatte. Ich schaute auf die Uhr. Zehn nach neun.

„Na toll.“

Die Müllabfuhr holte die Mülltonen des Wohnhauses gegenüber des Schlafzimmerfensters ab.

Vier Tonnen, einem doppelten Knall und einem Strang Nerven später schlummerte ich wieder dahin.

„Möööööö…Krrrrrr…..Mööööö.“

Ich bereute es zu faul gewesen zu sein, weder das Fenster zu schließen noch die Ohropax in die Ohren gestopft zu haben.

Hinter dem Haus mähte der Hausmeister zum 100sten mal in diesem Monat den rasen. Das da überhaupt noch was übrig ist.

„Das darf doch alles nicht war sein.“ Fluchte ich.

Ich schaute auf die Uhr. Fünf nach zehn.

Entgeistert suchte ich nach den Ohropax.

„Nur noch ein Stündchen.“ Dachte ich.

Ich schlummerte nun tief und fest. Ich bekam sogar einen Traum geschenkt. Dann weckte mich ein unnatürliches Rumpeln und Poltern im Haus. Das Bett vibrierte sogar dadurch.

Zwanzig nach elf.

Der Nachbar der schon seit mehr als 8 Monaten bei uns im Haus wohnte, renovierte immer noch. In regelmäßigen Abständen hört man ihn hämmern, sägen, bohren oder scheinbar aus Langeweile auf irgendetwas Krach zu erzeugen.

„Ok. Ok.“ schrie ich.

„Ich stehe auf. Scheiße Mensch.“

 

 

3.12.09 00:04
 
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